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PANIK
Helle
Panik brach im Januar 1945 in Ostpreußen aus. Gerüchte
über die Rache der Russen für die Invasion der Nazis in
ihrer Heimat kursierten und drangen auch bis zur
„Wilhelm Gustloff“ die im Gotenhafener Oxhöft –
Pier lag. Hunderttausende deutsche Flüchtlinge strömten
nach Danzig, in der Hoffnung auf eine sichere Passage nach
Westen.
Schrecken
verbreitete die Nachricht von einem Massaker in
Nemmersdorf. Eine Gegenoffensive, geführt von der vierten
Armee, eroberte Nemmersdorf vorübergehend zurück. Es war
die erste Stadt auf deutscher Seite, die 1944 von den
Russen eingenommen wurde.
Deutsche
Zeitungen verbreiteten schnell schreckliche Nachrichten über
die Gräueltaten der Sowjets.
Schlagzeilen
zeigten schreckliche Bilder, insbesondere von
vergewaltigten und ermordeten Frauen und Kindern in der
Hoffnung, dass die Welt aufgerüttelt werde durch diese
Brutalität, mit der die Bolschewiken gegen die Bevölkerung
vorgingen.
Ein
uneinsichtiger Hitler rief hysterisch alle wehrfähigen Männer
zur Verteidigung Deutschlands. Viele dieser „Männer“
waren Jungen von 15 Jahren oder alte Männer im Volkssturm
– Hitlers verzweifelt zusammengestellte Armee zur
Heimatverteidigung, welche mit mangelnder Kampferfahrung,
meistens nur ausgerüstet mit einem Gewehr, in die
Schlacht geworfen wurde.
Die
westliche Welt nahm daran keinen Anteil. Schlagzeilen,
Zeitungen, Radioberichte und Gerüchte über Blutbäder
der Roten Armee schürten nur die Panik im Osten Groß-Deutschlands.
Auf den Decks der „Wilhelm Gustloff“ hörte man den
Donner der Artillerie, der jeden Tag lauter und lauter
wurde.
Verzweifelte
Anstrengungen wurden unternommen um die Front zu halten,
aber vergebens - das Reich brach zusammen.
Eine
Großoffensive der Sowjets, die Mitte Januar gestartet
wurde, beschleunigte die Flucht aus Ostpreußen.
Viele
Deutsch waren von Danzig abgeschnitten. Durch die Rote
Armee wurde die Passage über das zugefrorene Haff (ein Süßwassersee
an der Ostseeküste) verhindert.
Sowjetische
Kampflugzeuge kreisten in der Luft und bombardierten die
schutzlosen Flüchtlinge. Direkte Treffer waren nicht
notwendig – es reichte, das Eis zu brechen um die
Familien mit ihren Wagen und Pferden in einen eisigen Tot
zu schicken. Zu viele Flüchtlinge strömten nach Danzig
zum Hafen; die Flucht nach Westen war ihre einzige
Hoffnung, dem Leid und dem Tod zu entgehen. Hitlers
brutaler Krieg der Ausrottung, der 1941 begann und
unendliches Leid brachte, kam zu ihm zurück als gerechte
Strafe.
OPERATION
HANNIBAL
Hoffnung
keimte durch die Operation
Hannibal auf. Es war wahrscheinlich die größte
zu Kriegszeiten erfolgreich durchgeführte Evakuierung der
Geschichte. Hannibal war zuständig für den sicheren
Transport von 2 Mio. Deutschen nach Westen.
Ungeachtet
Hitlers Absicht, auch nur einen Zentimeter zurückzuweichen,
gab Großadmiral Dönitz am 21. Januar die verschlüsselte
Nachricht ‚Hannibal’ an seine U-Bootmänner heraus.
Das bedeutete Rückzug nach Westen.
Im
Gegensatz zu Hitler erkannte Dönitz die tatsächliche,
hoffnungslose Lage und nutzte die Gelegenheit, um so viele
Deutsche wie möglich zu evakuieren - einschließlich der
Flüchtlinge.
Am
22. Januar 1945 begann die Gustloff
mit den Vorbereitungen, um tausende von Flüchtlingen
aufzunehmen. Es war eine große Herausforderung, das
Schiff wieder in einen betriebsfähigen Zustand zu
versetzen. Mit Ausnahme weniger Testläufe waren die
Maschinen der Gustloff
seit vier Jahren nicht mehr in Betrieb.
Schiffe
aller Bestimmungen und Größen wurden umgerüstet und
vorbereitet für die Fahrt nach Westen.
Neben
der Gustloff wurden
auch andere Schulschiffe, wie die Hansa,
Hamburg, Deutschland, Cap
Arkona und eine Vielzahl anderer Handelschiffe für
die Evakuierung eingeteilt.
Alle
diese Schiffe unterstanden dem direkten Kommando von Dönitz,
um absoluten Vorrang zu gewährleisten.
DAS
RUSSISCHE U-BOOT
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Captain
Marinesko |
Inzwischen
erreichte ein russisches U-Boot mit einem etwas
rebellischen Kapitän die Gewässer der Bucht von Danzig.
S-13 stand unter dem Kommando von Kpt. Alexander
Marinesko. Es wird angenommen, dass er am 2. Januar 1945
den finnischen Stützpunkt Turku zu einer Patrouille mit
einer Gruppe von weiteren russischen U-Booten verlassen
hat. Unglücklicherweise ist sein Jolka-Fest außer
Kontrolle geraten. Er verschwand am 31. Dezember 1945 zu
einem dreitätigen Gelage. Seine Crew unternahm
verzweifelte Anstrengungen ihn zu schützen, sie konnten
ihn jedoch nicht finden. Auf See war Marinesko ein
versierter und erfahrener U-Bootkapitän, der das Ansehen
und die Treue seiner Besatzung genoss - er rührte keinen
Tropfen Alkohol an. An Land jedoch war er ein labiler und
impulsiver Mensch mit einer langen Trinkerkarriere.
Schließlich fand ihn die Mannschaft und schleppten ihn
zur Ausnüchterung in eine Sauna und endlich zurück zum
Stützpunkt. Einen Tag nach dem eigentlichen Auslauftermin
stachen sie in See.
Der
russische Geheimdienst NKWD, ein Vorgänger des KGB, wurde
aufmerksam und verdächtigte Marinesko des Verrates. Der
NKWD wollte ihm einen Schauprozess machen. Auf der anderen
Seite hat die Flotte über einiges mehr "hinweg
gesehen". Stalin hat die Flotte unter Druck gesetzt
alles zu geben, um die "Faschisten" zu
vernichten. Seine treue Mannschaft wollte ihn zurückhaben
und es konnte zu Schwierigkeiten führen, falls dies
verweigert wurde. Nach einer Anzahl von Tagen mit
Verhören im Gefängnis, lief Marinesko an Bord von S-13
am 11.Januar 1945 schließlich in die Ostsee aus. Er war
noch Kommandant seines Bootes aber er brauchte Punkte um
seine Missetaten an Land zu tilgen. Schon kurz darauf fand
er, dass er ausreichend Pluspunkte gesammelt hätte.
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Soviet Submarine S-13 |
DIE
WILHELM GUSTLOFF - VERZWEIFELTES SCHIFF DER
HOFFNUNG
Das
"deutsche Dünnkirchen", das von Großadmiral
Dönitz vorausgesehen wurde, begann. Die
"Gustloff" fand sich in der Rolle als Flagschiff
in Gotenhafen wieder. Zu dieser Zeit erinnerte nichts an
das glänzende weiße Flagschiff der KdF-Bewegung. Ein
marinegraues Schiff der Hoffnung im Gedränge der
Flüchtlinge, die ihr Glück versuchten, den Hafen zu
verlassen. Am 28.Januar 1945 war die "Gustloff"
bereit, innerhalb der nächsten 48 Stunden auszulaufen.
Panisches Chaos bestimmte die Szene in Gotenhafen.
Abertausende Flüchtlinge - meist Kinder und Frauen-
strömten in den Hafen. Unter ihnen war kein einziger
starker Mann zu finden. Alle die konnten, wurden zum Kampf
gegen die Russen eingezogen. Die SS-Sturmtruppen
kontrollierten die zusammengedrängten Menschen, damit
ihnen keiner entging. Viele hatten einen langen und
beschwerlichen Weg zu Fuß oder auf einem Wagen im kalten
und unerbittlichen Januarwetter hinter sich gebracht.
Tausende erreichten den Hafen von Danzig nicht. Ein
unsichtbarer Tod lauerte auf der Straße und an Plätzen,
so auch auf dem gefrorenen Frischen Haff.
Ungeachtet
der Menschenmassen die in den Hafen strömten, verlief das
Einschiffen auf die "Gustloff" in der ersten
Zeit relativ geordnet. Bewaffnete Posten an der Gangway
hielten die zurück, die keinen Bordpass oder andere
Berechtigungen hatten Die Schiffsdruckerei, einst genutzt,
die farbenfrohen Programme für die Kreuzfahrt zu drucken,
wurde jetzt gebraucht, um die Zugangspässe, die für die
Fahrt notwendig waren, herzustellen. Dieses Stück Papier
mit seinen gotischen Buchstaben verhieß Hoffnung.
Wie
erwartet, erhielten U-Bootoffiziere, Mannschaftsmitglieder
und einige hunderte Angehörige der weiblichen
Nachrichtenhelferinen der Marine - einige von ihnen waren
im trockengelegten Swimmingpool untergebracht - die ersten
Pässe. Verwundeten Soldaten, die im Zug den Hafen
erreichten, wurde eine höhere Priorität eingeräumt.
"Privilegierte"(i. S. v. höher gestellte
Beamte) erhielten selbstverständlich die Gelegenheit zur
Mitfahrt. Es war deshalb nicht verwunderlich, dass die
Ersten Fahrkartenbesitzer, die mit Familie und Freunden an
Bord gelangten, jene mit "Beziehungen" waren
oder Personen mit lokalem Einfluss. Und natürlich die,
die mit viel Geld eine Überfahrt kaufen konnten. Es wird
nie zu erfahren sein, welche schwarzen Geschäfte gemacht
wurden. Eines ist sicher: Während immer mehr
"Ausersehene" an Bord gingen, wuchs der Berg der
normalen Flüchtlinge um die Gangway rasch an.
In
den letzten zwei Tagen vor dem Auslaufen des Schiffes
wurden 10 der 22 Rettungsboote vermisst. In den vier
Jahren, in denen das Schiff als schwimmende Kaserne
gedient hatte, verschwanden die Rettungsboote von ihren
Davits - genutzt für andere Aufgaben im Hafen, wie zum
Beispiel als rauchende Scheinziele für die alliierte
Luftwaffe. Hastig wurden 18 kleine Boote an Deck gehievt
und auf dem Sonnendeck verzurrt. Flak wurde an Deck
aufgestellt um die Luftabwehr sicherzustellen - die
Luftwaffe begleitete das Schiff nur eine gewisse Strecke.
Gemäß
einer offiziellen Liste waren nur dreitausend Flüchtlinge
am Morgen des 30. Januar 1945 an Bord der
"Gustloff"; man hatte aufgehört zu zählen. Als
es bekannt wurde, dass das Schiff an diesem Tag auslaufen
würde, drängten immer mehr Flüchtlinge zur Gangway.
Mütter und Kinder wurden ausgesondert, Kinder und
Säuglinge gingen mit ihren Müttern Hand in Hand an Bord.
Im schrecklichen Gedränge auf der Gangway stürzten
Kinder ins eiskalte Wasser und verschwanden zwischen Pier
und Schiffsrumpf. Kleine Boote besetzt mit Müttern und
Kindern kamen längsseits und suchten nach einem Platz an
Bord. Einige die ausharrten wurden belohnt, als Netze und
Gangways abgelassen wurden, um mehr Flüchtlinge an Bord
zu nehmen. An diesem bitterkalten, mit Schnee- und
Graupelschauern durchsetzten Tag war die genaue Zahl der
Menschen an Bord nicht mehr festzustellen. Zur Zeit des
Auslaufens drängten weit über 10000 Evakuierte an Bord.
In
den nächsten neun Stunden wurde die "Gustloff"
von drei Torpedos getroffen. Sie sank auf den Grund der
Ostsee und nahm über 9500 Seelen mit sich.
the Gustloff's last hours and sinking
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