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VON
DER SCHWIMMENDEN UNTERKUNFT ZUM SCHWIMMENDEN LAZARETT
Offiziell
beginnt der 2. Weltkrieg am 1. September 1939, als Hitler
in “Blitzkriegmanier” in Polen einfällt. Am gleichen
Tag wird die Wilhelm
Gustloff von der Kriegsmarine
angefordert, um ihren Dienst zu leisten. Wie der Einsatz
der Gustloff
aussehen soll, wird aber für ein paar Tage geheim
gehalten.
Am
2. September sind die meisten der 417
Mannschaftsmitglieder entlassen. Nur Wenige – unter
ihnen Kapitän Bertram und leitende Mitglieder seines
Teams –bleiben. Offiziell wird die Gustloff
zu diesem Zeitpunkt im Krieg nur als Hilfsschiff der
Marine angesehen.
Am
9. September erfährt die verbliebene Mannschaft, dass die
Gustloff als
Lazarettschiff eingesetzt werden soll. Am 22. September
1939 wird es offiziell bekannt gegeben: die Wilhelm
Gustloff wird – wie viele andere ehemalige
KdF-Kreuzschiffe – Teil der Lazarettflotte der deutschen
Marine werden. Die Mannschaft debattiert darüber, ob beim
Bau des Schiffes bereits dieser Zweck im Hintergrund
stand. Dieses Argument wird während den folgenden Monaten
an Bord des Schiffes – das nun als Lazarettschiff
D der Kriegsmarine bekannt ist - für viele
Diskussionen sorgen
Gemäß den internationalen
Gesetzen für die Identifizierung von Lazarettschiffen ändert
man das Aussehen der Gustloff.
Ein unübersehbarer grüner Streifen wird horizontal um
den Schiffsrumpf gemalt und rote Kreuze ersetzen die
KdF-Logos am Schornstein. Ärzte, Schwestern und
medizinisches Gerät werden an Bord gebracht, während 500
Betten für Verwundete vorbereitet werden.
DIE ERSTEN
OPFER FÜR LAZARETTSCHIFF D
Überraschender
Weise sind die ersten an Bord behandelten Verletzten keine
Soldaten der Deutschen Wehrmacht. Nachdem die Gustloff
am 27. September den Heimathafen verlässt, fährt sie zum
ersten Mal in die Ostsee. Nachdem sie in der Nähe des
schwer umkämpften Gebietes von Danzig-Neuwasser vor Anker
geht, nimmt das schwimmende Lazarett 650 verletzte
polnische Soldaten auf. Nur 10 Deutsche werden an Bord
behandelt – Mannschaftsmitglieder des Minensuchers M-85,
das unglücklicherweise am 1. Oktober
auf eine polnische Mine auflief.
Mancher
fragt sich, ob die Gustloff ihren Einfluss als
Propagandawerkzeug beibehält. Obwohl während des
Einsatzes höhere polnische Verluste zu verzeichnen sind,
ist die Zahl der deutschen Verletzten mit bis zu 40.000
(10.000 getötet; 30.000 verwundet) beträchtlich hoch. Es
gibt viele Gelegenheiten für die Gustloff, mehr deutsche Soldaten zu behandeln. Welcher Soldat würde
die Gelegenheit ablehnen, auf einem von Hitlers
„Traumschiffen“ behandelt zu werden? Ungeachtet dessen
– es vergehen nur wenige Tage, bis Westpolen unter der
Kontrolle der Nazis steht.
Bis
Mitte April 1940 geschieht nichts Bemerkenswertes. Die Gustloff
erhält Befehl, weiterhin im Golf von Danzig – speziell
in Gotenhafen (heute: Gdynia) – zu bleiben. Das Schiff
dient auch weiterhin als schwimmendes Hospital und unterstützt
viele Ostsee-Deutsche, die kürzlich aus dem unter der
Kontrolle der Sowjets stehendem Polen abgezogen wurden.
ENDLICH
IN OSLO
Ein Hauch
von Ironie breitet sich aus, als die Gustloff
den Befehl erhält, Gotenhafen über Saßnitz zu verlassen
und zum ersten Mal seit Kreuzfahrtzeiten wieder in die
Nordsee zurückkehrt. Zu Friedenszeiten erhielt das Schiff
nie die Erlaubnis, norwegische Häfen anzulaufen. Nun, da
das Land zur Kriegszone erklärt wurde, legt die Gustloff
am 10. Mai
1940 in
Oslo
an. Norwegen ergibt sich offiziell am 10. Juni, während das Lazarettschiff D für weitere 3 Wochen im Hafen bleibt, um seine
medizinischen Pflichten auszuüben.
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Die
Gustloff als Lazarettschiff D, vor
Anker in Oslo |
Im
Gegensatz zum Einsatz in Polen versorgt die Gustloff
nun die Verletzten der eigenen Streitkräfte. Am 2. Juli
1940 verlässt das Schiff mit fast 750 Verletzten an Bord
seinen Hafen in Oslo in Richtung Kiel und Swinemünde.
Ursprünglich
sollte die Gustloff
nach Oslo zurückkehren, aber erneut gibt es Anweisung der
Nazis, den Kurs zu ändern. Das Schiff soll nach Stettin
fahren und dort auf weitere Anweisungen zu warten. Vom
10. Juli bis 25. August
wartet die Gustloff
dort auf ihren Einsatz in einer Operation, die die bisher
entmutigendste ihrer Laufbahn sein wird.
UNTERSTÜTZUNG
BEI DER INVASION VON ENGLAND
Anfang
Juli gab Hitler den Befehl für die geplante Invasion von
England (Operation Seelöwe). Das Lazarettschiff
D – wie viele andere Ressourcen der Kriegsmarine – wird
ebenfalls für dieses große Unternehmen benötigt. Die
Deutschen erwarten während dieser Kampagne mit Sicherheit
mehr Verletzte. (Sie haben keine Einheiten, die für
amphibische Operationen trainiert und ausgebildet sind.).
Die bereits berühmte „Schlacht von England“ tobt in
der Luft und RAF-Kämpfer verteidigen heroisch (und
letztendlich effektiv) den Himmel über England.
Am
5. September 1940 erreicht das Lazarettschiff
D nach einem kurzen Halt in Kiel (wo die defekte
Minenschutzausrüstung repariert wurde) Wesermünde
(Bremerhaven). Es liegt klar auf der Hand, dass man sich
in gefährliches Gewässer begibt. Neben der
Gustloff bereiten sich in Wesermünde viele andere Schiffe auf die
Invasion vor und die Einsatzpläne für Operation
Seelöwe sehen vor, dass die Gustloff
in Rotterdam stationiert sein wird.
In der Kriegsmaschinerie der
Nazis werden jedoch Risse sichtbar. Hitler fordert eine überlegene
Luftwaffe um die Operation
Seelöwe durchzuführen und Göring, der Leiter der
Luftwaffe, ist lieferunfähig. Mitte September wird die
Invasion abgebrochen und der Führer richtet seine
Aufmerksamkeit in den Osten Richtung Russland. Nie wieder
wird die Gustloff
den Englischen Kanal befahren.
DIE
LETZTEN TAGE ALS LAZARETTSCHIFF D
Mit
Abbruch der Operation Seelöwe nimmt der Bedarf an
schwimmenden Hospitalen und Transportmöglichkeiten
sichtbar ab. Am 22. Oktober wird die Gustloff
ein letztes Mal nach Oslo beordert und kehrt dann am 12.
November mit 414 verletzten Soldaten nach Swinemünde zurück.
Dies war der letzte Einsatz der Gustloff in ihrer kurzen Einsatzzeit als Lazarettschiff D. Am 17. November erhält die Gustloff den Befehl, in den Golf von Danzig zurückzukehren.
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